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Kleine Maschinen - große Erlebnisse

Mopedfreunde unternahmen eine dreitägige Tour nach Marburg

Link zu den zwei Tourvideo

 

Die Mopedfreunde aus Marienthal haben sich in diesem Jahr mit ihren im Durchschnitt 45 Jahre alten Maschinen nach Marburg aufgemacht. Denn zu dieser alten Universitätsstadt gibt es durchaus Anknüpfungspunkte aus dem Rheingau. Das betrifft etwa die Heilige Elisabeth, deren Totenschrein in der Elisabethkirche in Marburg aufbewahrt wird. Im Rheingau hingegen wird ein Bußgewand Elisabeths in der katholischen Pfarrkirche St. Martin in Oberwalluf aufbewahrt. Und für alle Hessen hat das ganze auch eine Bedeutung. Denn Elisabeth war die Tochter von Sophie von Thüringen (1224–1275), die später Heinrich II., Herzog von Brabant, heiratete. Deren Sohn Heinrich war der erste Landgraf von Hessen, daher wird Elisabeth oft als Stammmutter des Hauses Hessen betrachtet.

 

Außerdem lockt in Marburg nicht nur die sehenswerte Altstadt mit ihren Fachwerkbauten und kleinen Gässchen, sondern auch eine exklusive Führung durch das Erste Deutsche Polizeioldtimer Museum im Ortsteil Cyriaxweimar. Da das Museum nur einmal im Monat geöffnet ist, hatten die elf Mopedfreunde vorab eine exklusive Führung vereinbart, um die Schätze in den Ausstellungshallen intensiv bei einem rund zweieinhalbstündigen Rundgang kennenzulernen, der bei einem alkoholfreien Bier im Clubhaus endete.

 

 

 

Aber zuvor musste bei der Anreise eine ausgewählte Strecke über rund 190 Kilometer über kleine Landstraßen bewältigt werden. An manchen Stellen machten allerdings Umleitungen wegen Baustellen Umfahrungen nötig.

Nach dem Start in Geisenheim ging es über die alte B42 über Kiedrich nach Hausen bis zum ersten Stopp in Niederselters. Mit frischen Brötchen und Mettwurst stärkte man sich nach 73 Kilometern bei strahlendem Sonnenschein für die Weiterfahrt. Vielleicht lag es am guten Wetter, dass an diesem Tag keine Reparaturen erfolgen mussten und man die Strecke in rekordverdächtigen sechs Stunden inklusive Pausen bewältigen konnte. So gab es schon um 14 Uhr in der Oberstadt von Marburg das erste Erfrischungsgetränk, bevor man die letzten Kilometer zum Hotel Orthwein in Cölbe antrat, wo man für den Abend auch gleich einen Tisch reserviert hatte.

Bis zum Jahre 1970 bestanden nördlich vom Marburg u. a. die selbstständigen Gemeinden Bernsdorf, Bürgeln, Cölbe, Reddehausen, Schönstadt und Schwarzenborn. Durch die Gebietsreform entstand die Gemeinde "Cölbe" mit ländlich, dörflichem Charakter, aber auch mit Bahnanschluss.

Mit köstlichen Spareribs, Steaks und Schnitzel ließ man den Abend ausklingen.

Deutsches Polizeioldtimer Museum lockt mit rollendem Kulturgut

Der Samstag stand ganz im Zeichen des Besuchs im Oldtimer Museum, aber nicht unter einem guten Stern. Denn eigentlich war eine gut 40 Kilometer lange kleine Schleife geplant. Doch zum trüben, regnerischen Wetter kam nach wenigen Kilometern ein Zwangsstopp wegen einer durchgebrannten Zündung. Getroffen hat es den Road Captain Christopher mit seiner Yamaha DT 50. Eigentlich war man auf das Szenario vorbereitet und hatte eine voreingestellte Ersatzzündung im Gepäck, die man sozusagen im „Plug und Play Verfahren“ eingesetzt hat. Aber die Zündkerze gab keine Funken. Daraufhin entschloss sich Chefmechaniker Philippe mit Erfolg die defekte Zündung, bei der aus unerfindlichen Gründen die Isolierung des Zündkabels weggeschmolzen war, das Kabel neu zu isolieren. Allerdings kam die Gruppe dadurch gut eine Stunde zu spät zum Museum, wo sie durch die ehemaligen Polizeibeamten Norbert Franz und Jürgen Ludwig bereits erwartet wurde. Die beiden Insider aus dem Trägerverein des Museums konnten fachlich kompetent die einzelnen Ausstellungsstücke erläutern und ergänzten ihre Ausführungen mit einigen Anekdoten.

Stolz ist der Verein auf seine große BMW-Limousine der Baureihe 501. Die gehörte in den 1950er und 1960er Jahren zu den schwersten Streifenwagen, die bei deutschen Polizeibehörden eingesetzt waren. Bei diesem BMW 501 handelt es sich um eine von weltweit 51 Einzelanfertigungen und ist zum Beispiel auch bekannt aus der frühen Fernsehserie "Isar 12". Für ihre gelungene Restauration des Fahrzeugs wurde der Verein übrigens vom ADAC mit dem goldenen Lenkrad ausgezeichnet.

Einzigartig ist auch die Sonderanfertigung eines Mercedes, der als mobile Fernmeldeleitstelle für die Hessische Landespolizei gebaut wurde. Es ist mit Tonband-, Kassetten- und Rundfunkempfangsgeräten, einer Fernschreibstelle, Lautsprecheranlage sowie mehreren Funkgeräten ausgerüstet. Das Fahrzeug ist aufgrund seines hervorragend erhaltenen Zustands und der Tatsache, dass es ein Unikat ist, eines der wertvollsten Fahrzeuge in der Sammlung des Museums. Aufgrund der freundschaftlichen Verbundenheit des Hessischen Innenministeriums zum Polizei-Motorsport-Club Marburg, wurde es diesem 1996 nach Außerdienststellung übergeben.

Neben Wasserwerfern, gepanzerten Fahrzeugen und Motorrädern gehören auch "Showfahrzeuge" zur öffentlichkeitswirksamen Sammlung, wie etwa der "Fiacedes", mit dem einst Michael Schuhmacher kutschiert wurde und der bei Filmaufnahmen zum Kinderfilm „Liliane Susewind – Ein tierisches Abenteuer“ zum Einsatz kam. Ganz neu in der Ausstellung ist ein Ford Capri. Die Baureihe kam 1969 auf den Markt. Außergewöhnlich war, dass das Sportcoupé auch als schneller Streifenwagen der Autobahnpolizei Nordrhein-Westfalen zum Einsatz kam. Nach dreijähriger Arbeit in der vereinseigenen Werkstatt ist der schnelle Streifenwagen der Autobahnpolizei Nordrhein-Westfalen wieder im originalen Zustand der frühen 1970er Jahre.

Die Geschichte des Museums geht zurück auf das Jahr 1990. Damals wurde der Polizei Motorsport Club (PMC) in Marburg von acht Polizeibeamten der Polizeidirektion Marburg unter der Führung von Hans-Heinrich Menche gegründet. Die Vereinsarbeit begann mit dem Aufbau einer Polizei-Kradstaffel zunächst für öffentlichkeitswirksame Motorsportveranstaltungen.

Aber bereits 1991 kam mit einem in Eigenarbeit restaurierten Opel Rekord P1 der erste Polizeioldtimer in den Fuhrpark des PMC. Sowohl die Polizei-Kradstaffel als auch die stetig wachsende Fahrzeugsammlung wurden zu echten Publikumsmagneten bei zahlreichen Veranstaltungen in ganz Deutschland.

2001 konnte ein ehemaliger Stützpunkt der Bundeswehr in Marburg-Neuhöfe erworben und seither als Vereinsgelände ausgebaut werden. Auf dem rund 23.000 Quadratmeter großen Gelände befinden sich neben drei Museumshallen, Werkstatt, Lager und das Vereinsheim.

Im Juli 2003 fand in Marburg die offizielle Eröffnung des in Deutschland einmaligen Museums für automobile Polizeigeschichte statt. Heute ist das vereinseigene Erste Deutsche Polizeioldtimer Museum der Standort der größten Sammlung historischer Polizeifahrzeuge in Deutschland. Seither wächst die Sammlung des PMC Marburg stetig an und besteht im Jahre 2020 bereits aus über 90 Polizei-Klassikern. Jährlich besuchen mehrere tausend Besucher an den wenigen Öffnungstagen das Vereinsgelände und können hierbei einen Eindruck über die automobile Polizeigeschichte Deutschlands gewinnen. Auch bei Film- und Fernsehaufnahmen sind die mobilen Polizei-Klassiker aus Marburg immer wieder im Einsatz.

Jürgen Ludwig gab Erläuterungen zu den einzelnen Ausstellungsstücken, wie der BMW Isetta. Sie diente der Polizei in den 1950er- 1960er Jahren als günstiges Fortbewegungsmittel. Hauptsächlich im Fuhrpark ländlicher Polizeidienststellen ersetzten sie oft die Motorräder. Alle BMW Isetta waren mit einem Schiebedach ausgestattet, da dies bei Auffahrunfällen und verklemmter Kabinentür die einzige Möglichkeit bot das Fahrzeug zu verlassen.

Ein NSU Prinz 4 wurde von 1961-1973 bei der NSU Motorenwerke AG in Neckarsulm produziert. Die NSU Werke waren zu dieser Zeit der größte Motorradhersteller der Welt. Diese kleinen und leichten Fahrzeuge setzte die Polizei Baden-Württemberg in geringer Anzahl als Streifenwagen und für den Ermittlungsdienst ein.

Ein Opel P1 des Polizei-Motorsport-Club Marburg wurde 1991 in der vereinseigenen Werkstatt zu einem typischen Polizeifahrzeug dieser Epoche restauriert und war der Grundstein für die heutige Sammlung.

Zwischen April und Oktober ist das Museum nur jeweils einmal im Monat sonntags geöffnet. Insofern waren die Mopedfreunde glücklich, eine so exklusiven Runde durch die automobilen Klassiker drehen zu können.

Stufen, Aufzug und steile Straßen

Am Nachmittag stand nochmals ein Besuch in der Marburger Altstadt an, die man über Stufen, Aufzüge oder steile Straßen erreichen kann. Denn in Marburg sind vom Fluss über die Altstadt bis zum Schloss 109 Höhenmeter zu bewältigen, zwei Aufzüge, 400 Treppenstufen und jede Menge Sehenswertes gibt es auf diesem Weg. Sehenswert sind neben dem Schloss vor allem das historische Rathaus (erbaut 1512 bis 1527) und der Marktplatz sowie die Elisabethkirche. Der Marburger war außerdem der Überlieferung nach Schauplatz der Gründung des Landes Hessen im Jahr 1248.

Bevor es wieder ins Hotel zurückging, machte man sich mit den Mopeds auf den Weg nach Gladenbach. Dort hatte man telefonisch beim Obi-Markt Radlager zurücklegen lassen, weil man an einem der Mopeds einen Lagerschaden am Vorderrad vermutete. Doch die 20 Extrakilometer waren vergebens. Denn das dort bereitgelegte Lager war leider das Falsche. Tröstlich war hingegen, dass die Vorderradnarbe noch bis zum Ziel durchgehalten hat.

Am Abend überraschte der Koch des ausgesprochen gastfreundlichen Hotels, das zusätzlich noch zwei Garagen für die alten Mopeds bereitgestellt hatte, die Gruppe mit einem vorzüglichen Roastbeef Braten.

Die Heimreise am kommenden Tag begann bei trüber und nasser Witterung. Die Schnellstraßen rund um Marburg führten aber zu Verzögerungen für die Mopeds, die diese nicht benutzen durften. So musste für eine Entfernung von drei Kilometern auch mal ein acht Kilometer langer Umweg in Kauf genommen werden. Das machte den ersten Teil der Wegstrecke mühsam. Aber außer dem Tausch einer Zündkerze hielt sich die Reparaturanfälligkeit der Maschinen wenigstens im Rahmen.

So erreichte die Gruppe zur Mittagsrast Weilburg. Der Himmel hatte sich zwischenzeitlich aufgehellt. Idyllisch an der Lahn gelegen, besticht die Residenzstadt durch Einzigartigkeit und Vielfältigkeit zugleich. Neben dem historischen Stadtkern mit seinem barocken Schloss, das zu den Baudenkmälern von internationalem Rang zählt, sowie Schlosskirche,Schlossgarten und Orangerie, bietet Weilburg und seine Umgebung weitere sehenswerte Ausflugsziele. Bekannt ist Weilburg auch für seine Schlosskonzerte. Das Schloss Weilburg thront eindrucksvoll auf einem Bergsporn hoch über der Lahn und geht auf eine mittelalterliche Burg aus dem 10. Jahrhundert zurück.

Die letzten 90 Kilometer bis nach Hause wurden nur durch einen Tankstopp in Kemel unterbrochen, wo man noch einem Oldtimerfan mit einem englischen Ripley behilflich war, das Auto auf einen Parkstreifen zu schieben, weil der Wagen absolut nicht mehr anspringen wollte.

Doch ganz Pannenfrei kam die Gruppe dann doch nicht ins Ziel. Schon bei den letzten Steigungen hatte sich bei der Kreidler LF von Reiner ein schwacher Durchzug bemerkbar gemacht. Letztlich ging der Maschine am Kloster Marienthal gänzlich die Kraft aus, ebenso wie der Motor und der letzte Kilometer musste geschoben werden. Bei Thorsten wurde aber dann doch noch gemeinsam mit einem Bier auf die gelungene dreitägige Tour angestoßen. Dass dabei gleich zwei Mitfahrer die Sohlen ihrer Schuhe verloren haben, die dann mit Gewebeklebeband notdürftig wieder angebracht wurden, wird ebenfalls die Anekdotenreihe von den Mopedtouren ergänzen.

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